10 Jahre STOPP-Netzwerk Südpfalz am 18.11.2009 um 14 Uhr

im Gemeindesaal der Stiftskirche, Stiftplatz 9, 76829 Landau


Programm:

14 Uhr          Begrüßung durch die Moderatorinnen Anja Bischoff-Fichtner und

                    Barbara Dees

   

                    Grußwort des Schirmherren Hans-Dieter Schlimmer, Oberbürgermeister

                    der Stadt Landau

  

                    Kurzer Rückblick auf 10 Jahre STOPP, vorgetragen von

                    Dagmar Zimmermann-Baum; Leiterin des Frauenhaus Südpfalz und

                    Roland Hertel; Leiter der Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt Südpfalz

 

14:30 Uhr     Theaterstück: "DU BIST UNSCHLAGBAR"

 

 

Anschließend werden wir die Feierstunde mit einem Umstrunk und Imbiss ausklingen lassen.


Programmflyer

 

  

 

  

  

  


Artikel der Rheinpfalz vom 24.11.2007

„Er soll nur nicht so brutal zuschlagen"    

Netzwerk „Stopp" gegen häusliche Gewalt in der Südpfalz hilft Opfern, arbeitet aber auch mit Tätern - Heute Infostand Von unserer Redakteurin Sabine Schilling „Schlaf recht gut. Wir werden ja sehen, ob du morgen wieder aufwachst", sagt der Ehemann mit dem großen Küchenmesser in der Hand, bevor er es neben sich auf dem Nachttisch ablegt. Ein Fall, den es tatsächlich gab. Gewalt hat viele Facetten. Es sind nicht nur Schläge, die schmerzen und quälen. Drohungen, Einschüchterungen und Erniedrigungen gehören ebenfalls zum Rüstzeug derjenigen, die ihren Frauen mit Gewalt begegnen, statt sie mit Zärtlichkeiten zu verwöhnen. „Häusliche Gewalt ist immer noch männlich", betont Roland Hertel, Leiter der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Südpfalz. Tatorte sind Wohnungen und Einfamilienhäuser in Hagenbach, Kandel, Schwegenheim, in Pleisweiler-Oberhofen, Offenbach, St. Martin, auch in Queichheim, Dammheim oder Mörzheim. Die Zahl der Ermittlungsverfahren steigt kontinuierlich. Auch in der Südpfalz. Rudi Estelmann von der Polizei Landau rechnet in diesem Jahr erstmals mit 700 Verfahren. Die Dunkelziffer ist noch höher. „ Gewalt in engen sozialen Beziehungen" lautet die korrekte Bezeichnung im Behördenvokabular. Das Netzwerk „Stopp" informiert heute von 10 bis 13 Uhr an einem Stand in der Fußgängerzone vor Optik Prüfe über Formen und Folgen häuslicher Gewalt und bietet Beratung und Hilfe an. Konkreter Anlass ist der morgige internationale Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen". Das Netzwerk möchte Flagge zeigen und deutlich machen, dass die Gesellschaft Gewalt in Partnerschaften nicht dulden darf. „Soziale Unterstützung ist wichtig bei der Verarbeitung der Probleme. Deshalb stellen wir Öffentlichkeit her", erläuterten sechs Vertreter des Netzwerks in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ. Sie sehen darin ein wichtiges Signal zur Enttabuisierung des Themas. „ Gewalt kommt nicht in die Tüte" lautet einer der werbewirksamen Slogans. Barbara Dees, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Südliche Weinstraße und zuständig für die Schutzwohnung des Kreises, Dagmar Zimmermann-Baum vom Landauer Frauenhaus, Annette Heck vom Kinderschutzdienst Germersheim, Rudi Estelmann, bei der Polizei Landau Koordinator für Gewalt in engen sozialen Beziehungen, und Roland Hertel von der Gerichtshilfe Landau, Leiter der Interventionsstelle bei der Staatsanwaltschaft, berichteten über ihre Arbeit, die weit über die Grenzen der Region Vorbildcharakter hat. „Eine Hand greift in die andere", sagte Hertel, „keiner macht das, was er nicht kann." Den betroffenen Frauen werde schnell geholfen, innerhalb weniger Stunden hätten sie erste Unterstützung und würden dann an die entsprechenden Stellen weitervermittelt. Die Interventionsstelle und das Frauenhaus (etwa 50 Geschundene klopfen pro Jahr an dessen Pforte) seien die Drehscheibe. Die Interessen des Opfers stünden an oberster Stelle. Aber das Bemühen der Helfer gilt auch den Tätern. Hauptziel des Projekts, finanziert vom rheinland-pfälzischen Innenministerium und dem Verein für Straffälligenhilfe Landau, ist der Opferschutz durch die Arbeit mit dem Täter. Die Frau wird mit einbezogen, denn die Erfahrungen haben gezeigt, dass etwa 65 Prozent der Partnerschaften auch nach dem Einsatz von Polizei und Gerichtshilfe weiter bestehen. Dem Täter wird deutlich gemacht, dass Gewalt keine Lösung für Konflikte sein darf und dass er die Verantwortung für das eigene Verhalten zu tragen hat. 53 Männer wurden innerhalb der Täterarbeit in diesem Jahr beraten. Bis Ende September wurden 43 von ihnen in das Langzeitprogramm aufgenommen. Erleichtert sind die Mitarbeiter des Netzwerks insbesondere darüber, dass es heute besser denn je gelingt, auch Migrantinnen zu erreichen. Eine Diplom-Pädagogin, seit 2006 fest bei der Interventionsstelle, ist dabei der wichtigste Kontakt, weil sie russisch und türkisch spricht. Migrantinnen sind oft sozial isoliert, kennen ihre Rechte nicht, haben Angst vor Konsequenzen. Dabei seien beispielsweise Russinnen Schläge ihrer Männer gewöhnt, hieß es in der Gesprächsrunde. Sie seien sehr duldsam und auf häusliche Harmonie ausgerichtet. Auch wenn andere kulturelle Hintergründe diese Verhaltensweisen erklären mögen, können sich die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus an Sätze wie „er soll nur nicht so brutal zuschlagen" dennoch nicht gewöhnen. Zwei Drittel der in der Südpfalz aktenkundigen, schlagenden Partner sind jedoch Deutsche.

   

Telefon Frauenhaus 06341/89626;

Interventionsstelle 06341/3819-22;

Kinderschutzdienst Landau 06341/141420;

Kinderschutzdienst Germersheim 07274/500620

  

SCHILLS Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.273 Datum: Samstag, den 24. November 2007 Seite: Nr.21